Ortsnecknamen, im Platt oft einfach „Uznamen", sind die Spitznamen, die sich benachbarte Dörfer über Generationen gegenseitig gegeben haben. Meist steckt ein liebevoller Spott darin, manchmal auch eine alte Geschichte. Auf der Kirmes, beim Fußball gegen das Nachbardorf oder in der Fastnacht wurden sie hervorgeholt, und wer aus „Assel" kam, war eben ein „Howwerbäeller" (Haferbettler), egal wie er sonst hieß.
Viele der Namen erzählen vom täglichen Leben: Es geht um Essen (die „Krautköpp" aus Atzbach, die „Schmoadleacker", also Sahnelecker), um Tiere (die „Gugucker"/Kuckucke, die „Roawe"/Raben, die „Esel"), um Handwerk und Eigenheiten. Manche sind kaum noch zu deuten, weil das Ereignis dahinter längst vergessen ist. Genau deshalb sind sie ein kostbares Stück mündlicher Überlieferung: Wenn niemand sie mehr weitererzählt, verschwinden sie.
Die Sammlung hier reicht vom Hüttenberger Land über Wetzlar und Gießen bis in die Marburger Ecke. Ein großer Teil geht auf das Wetzlarer Mundart-Wörterbuch von Joachim Pausch (2002) zurück, dazu kommen Namen aus der Gießener und Marburger Umgebung. Kennst du den Uznamen deines Ortes, oder eine andere Schreibweise? Dann verrate ihn uns. So bleibt er erhalten.